Märklin 4146/7

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    • Märklin 4146/7

      Hallo liebe Dampffreunde,

      ich hoffe, ich bin in diesem Unterforum richtig – falls nein, bitte ich die Admins den Beitrag zu verschieben.

      Vor ein paar Tagen habe ich eine Märklin 4146/7 Dampfmaschine geschenkt bekommen :thumbsup: . Es handelt sich um eine Dampfmaschine aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.

      Der Zustand auf den ersten Blick:

      Fehlende Teile:
      • Brenner
      • Gewicht für Sicherheitsventil
      Zustand
      • Kessel sieht abgesehen von den Dichtungen dicht aus
      • Dichtungen verrottet
      • Leitungen und Ventile OK
      • Grundplatte OK
      • Schwungrad und Zylinder etwas schwergängig, bewegen sich jedoch mit Druckluft
      • Speisewasserpumpe ?
      • Kesselhaus Farbe blättert ab, leichter Flugrost, Blech intakt
      • Dynamo funktioniert


      Alles in allem macht sie einen ganz guten Eindruck für ihr Alter.

      Was macht man mit so einer Maschine ?( ? Es würde mich ja schon reizen, sie wieder dampfen zu sehen.

      Vielleicht könnt Ihr mir ja einen Tipp geben, wie ich am besten an die Restaurierung der Maschine heran gehe.
      • Überarbeitet man so eine alte Maschine (Kesselhaus lackieren, polieren etc.) oder reinigt man sie nur und erhält die Patina? Mich würde da Eure Meinung interessieren!
      • Wo kann man die fehlenden Teile und Dichtungen herbekommen, sei es nun alt oder neu?
      • Gibt es etwas besonderes, das man bei solchen Oldtimern beachten muss (Ich habe bisher nur Erfahrung mit Wilescos aus den 80ern).
      Ich bin um jeden Rat von Euch dankbar!

      Viele Grüße,
      Ralf


      PS: Anbei ein paar Bilder:
    • hallo Ralf,

      Glückwunsch, bei dem Erhaltungsgrad muss sie wieder dampfen, das steht außer Frage.

      Bezüglich Deiner Erfahrung mit Wilesco-Maschinen brauchst Du Dir keine großen Sorgen machen, so viel hat sich in der Technik auch nicht getan. Nur mit Esbit solltest Du nicht heizen.

      Was das Kesselhaus anbelangt, hat der Lack stark gelitten, auch etwas Rost hat sich vorne angesetzt. Schwierige Entscheidung, das entweder gut "neu" zu machen oder den doch stark bespielten Zustand zu konservieren. Nur wenn das Kesselhaus frisch gelackt daherkommt, muss man den Rest eigentlich auch auffrischen.

      Beim Kessel würd ich, außer Abstauben, nichts machen (Unterseite muss vielleicht nochmals gesondert betrachtet werden, könnte Ruß drauf sein...) - auch die Maschine braucht nur eine gründliche Reinigung und vermutlich diverse Tröpfchen Öl.


      Auch "verrottete" Dichtungen können innen noch dicht sein oder mit Wasser wieder quellen. Du kannst ja auch mal erst über den Ablasshahn vorn "kontrollierte" Druckluft einleiten (max 1,5 bar), um zu sehen, wo es überall rauspfeift. Un-Dichtungen kannst Du zur Not auch aus besserer Pappe stanzen (oder speziellem Dichtungs"papier").

      Der Brenner dürfte ein Spiritus-Vergaserbrenner gewesen sein, vielleicht wirst Du auf ebay fündig.
      Sicher nicht stilecht, aber effektiv und sauber wäre ein Gas-Keramikbrenner.

      Grüße Stefan
    • Hallo Ralf
      Gratuliere, sehr schöne Maschine, super Erhaltungszustand.
      Jedes Polieren (der Kessel ist gebläut!), jedes Lackieren und Herumscheuern wird den Wert dieser Maschine erheblich mindern (leider sieht man immer wieder Saubermänner, die es schaffen die wunderbaren alten, gebläuten Kessel, z.B., blank zu putzen).
      Also, vorsichtig entstauben, mit geeigneten Mitteln (da gibt es unterschiedliche Ansichten - Dampföl, Ballistol, Nähmaschinenöl, aber bitte immer säurefrei) vorsichtig einölen und ggfs. einwirken lassen. Wenn man entscheiden muss, ob man festgebackenen Schmutz ablösen muss und dabei eventuell alten Lack o.ä. beschädigt - dann würde ich lieber den Schmutz drauflassen, was weg ist ist unwiederbringlich weg. Vieles lässt sich übrigens nach dem Anheizen der Maschine (wenn Ö und Wärme gewirkt haben) leichter entfernen. Die grauen Flecken müsste man sich mal genauer ansehen, wenn Du Glück hast, sind das Kalkflecken - habt ihr "hartes Wasser"? Dann für den Betrieb lieber 95% Destilliertwassser und 5% Leitungswasser verwenden. Entkalken ist wieder ein schwieriges Thema...
      Du kannst Dich glücklich schätzen, wenn der Dynamo läuft - der ist allein ein schönes Stück Geld wert!
      Brenner und Gewichte kannst Du (Original oder als Replik bei Ebay unter der entsprechenden Rubrik für Dampfmaschinen, Dampfspielzeug auftreiben, wundere Dich nicht über die Preise. wenn Du mehr Informationen brauchst, kann ich Dir helfen.
      Dichtungen werden dort auch anboten.
      Natürlich laufen Schwungrad und Zylinder schwer - Öl verharzt, Leitungen zugesetzt etc. Auch hier, Geduld, Geduld - wenn man diese Maschinen anheizt, dann brauchen sie Zeit sich regelrecht "frei zu husten"
      Nach meiner Erfahrung läuft dieser Typ gern mit richtig dickem Dampföl (also dem, das Märklin für die Replik 16051 anbietet, oder was man bei Holzapfel, Winterthur, bekommen kann, Hier gibt es sicher auch Mitgleder, die andere gute Bezugsquellen nennen können). Aber auch da lohnt sich das Experimentieren!

      Viele Spaß und Erfolg mit diesem schönen Teil!
      Beste Grüße
      Thomas
    • Hallo liebe Dampffreunde,
      hallo Stefan,
      hallo Thomas,

      vielen Dank für Eure ausführlichen Antworten (Thomas seine kam leider einen halben Tag zu spät, dazu aber weiter unten mehr).

      Ich habe schon gemerkt, bezüglich dieser Maschine muss ich mich positionieren, was ich erreichen will. Da ich kein Sammler bin, steht der Sammler-Wert der Maschine für mich nicht an erster Stelle. Ich bin eher Techniker und da ist es für mich wichtiger, dass die Maschine wieder funktioniert. Außerdem möchte ich sie in einem gesäuberten Zustand so konservieren, dass sie nicht weiter verfällt, dabei jedoch spielbar ist. Das heißt erst mal nicht neu lackieren, wenn nicht zum Konservieren unbedingt notwendig.

      Am Sonntag hab ich mich dann an die Arbeit gemacht und das gute Stück mal zerlegt. Das ging ganz gut und vor allem ohne Löten (Kritisch war die Speisewasserleitung, was sich jedoch durch Demontage der Speisewasserpumpe lösen ließ. Dann habe ich die Teile mit einem Staubsauger vom groben Staub befreit.

      Als erstes habe ich mich dann mit dem Aggregat beschäftigt. Zerlegen war kein Problem. Die beweglichen (unlackierten) Teile hab ich mit Alkohol gereinigt.

      Dann habe ich den Aggregatträger gereinigt. Und hier kam der erste Rückschlag. Ich habe versucht die Platte (alle Anbauten demontiert) in lauwarmem Wasser zu reinigen und die Verschmutzungen mit einem weichen Pinsel zu lösen. Das hat zunächst auch ganz gut funktioniert. Nach dem Trocknen war das gesamte Bauteil jedoch von einer hellgrauen Schicht überzogen (so ähnlich wie Aluminium in der Spülmaschine).

      Anscheinend besteht der Lack aus mehreren Schichten, und die oberste ist ein Klarlack, der mit Wasser reagiert (siehe Bild – die Blasen werfende Schicht).
      Längeres Austrocknen und Föhnen hat keine Besserung gebracht.


      Die nächste Erkenntnis war, dass die verwendeten Lacke anscheinend alkohollöslich sind. Durch vorsichtiges Benetzen mit Alkohol ist es mir gelungen, die hellgraue Schicht wieder zu beseitigen. Dabei kam sogar die Original-Farbe (rot) wieder zum Vorschein.

      Schade, dass ich nun den Sammlerwert ruiniert habe –leider kam Thomas‘ Warnung einen halben Tag zu spät. Ich hätte nie gedacht, dass ein Spritzer Spüli mich in solche Probleme stürzen kann. Aber zum Glück war es nur die Aggregatplatte ohne die mit Goldlinie verzierten Anbauteile. Das Ergebnis finde ich, sieht trotzdem ganz ansehnlich aus.



      Der Zusammenbau des Aggregats verlief dafür reibungslos. Gelenke und Lager habe ich mit Nähmaschinenöl geölt, die Zylinder erst mal mit Wilesco Dampföl.
      Das Aggregat ist jetzt wieder vollkommen leichtläufig, ein erster Versuch mit 0,5 bar Druckluft war absolut erfolgreich. Ich hätte nicht gedacht, dass das Aggregat wieder so gut läuft.

      Als nächstes habe ich mir die Speisewasserpumpe vorgenommen. Hier half Entkalken mit Zitronensäure (Heitmann reine Zitronensäure gelöst in lauwarmem Wasser). Die Speisewasserpumpe funktioniert jetzt wieder einwandfrei.


      Soweit der bisherige Stand.

      Als nächstes kommt die Grundplatte dran, ebenfalls nur mit Wasser und Pinsel.



      Dann geht es an den Kessel. Hier sehe ich zwei Herausforderungen:
      • Das ABC Ventil ist dicht – vermutlich verkalkt.


        :?: Wie entkalke ich einen gebläuten Kessel ohne mich gleich wieder in ungeahnte Schwierigkeiten zu bringen? Mein Ansatz wäre lauwarmes Wasser mit Zitronensäure für höchstens 10 Minuten, dann mit destilliertem Wasser gut spülen. Ist das ein Weg? Oder gibt es einen besseren?
        :?: Um nur das ABC Ventil zu entkalken, müsste ich die Speisewasserleitung ablöten – auch keine gute Alternative (aber vielleicht besser als ein undichtes Wasserstandglas nach der Kesselentkalkung?)
      • Der Kessel muss vom Ruß befreit werden, jedoch lässt er sich nicht vom Kesselhaus trennen, da er auf der Vorderseite anscheinend an das Kesselhaus angenietet ist (siehe roter Kreis).


        :?: Löse ich die Nieten und ersetze sie durch Schrauben, oder Bearbeite ich Kessel und Gehäuse als ganzes?


      Ich bin weiterhin um jeden Ratschlag dankbar und werde weiterhin berichten.
      Viele Grüße,
      Ralf

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    • Hallo liebe Dampffreunde,

      heute ein weiteres Update der Renovierungsarbeiten:

      gestern Abend habe ich mir die Grundplatte vorgenommen. Dabei hat sich herausgestellt, dass der alte Märklin-Klarlack echte Probleme bereitet. Hatte ich gestern noch angenommen, dass die Weißverfärbung des Klarlacks vom verwendeten Spülmittel verursacht wird, so habe ich heute die Erkenntnis, dass die Verfärbung vom Wasserkontakt kommt.

      Ich habe die Grundplatte gestern 3 Min. zum Einweichen in kaltes Wasser gelegt, danach waren alle Bereiche, die dem Licht ausgesetzt waren weiß.
      Als Gegenmittel hat nur das Abreiben mit Alkohol funktioniert. Dabei wird der Klarlack angelöst und härtet wieder klar aus (Das sollte man das nicht zu oft machen - irgendwann ist er weg).

      Bleibt das Problem, dass jeder stehende Wassertropfen einen weißen Fleck verursacht. Das ist nicht so toll für einen Dampfmaschine, die wieder laufen soll...
      Das Ergebnis der Reinigungsaktion finde ich sieht ganz gut aus (siehe Bild).



      Und jetzt der wirkliche Schreck: Die Reinigung hat unter dem Kessel Lötzinnspuren freigelegt (siehe Bild). Sieht so aus, als ob die vom Kessel kommen könnten. Ich befürchte, das verspricht nichts Gutes.



      Als nächstes kommt jetzt der Kessel dran. Die große Herausforderung dabei ist, dass das Kesselhaus dabei nicht mit Wasser in Berührung kommen darf (wegen dem Klarlack). Eine Alkoholbehandlung ist da nicht möglich, ohne alle Farben miteinander zu vermischen.

      Ich denke als erstes werde ich mal testen, ob der Kessel ohne Druck dicht ist. Das scheint mir nach obiger Entdeckung zumindest fraglich.

      :?: Falls er das ist, müsste er entkalkt werden. Wie würdet Ihr das machen?

      Das Drei-Wege-Ventil (ABC) der Speisewasserpumpe ist übrigens auch wieder durchlässig. :?: Weiß jemand, wie das bedient wird? A verbindet den Ablass mit dem Kessel, B verbindet die Speisewasserpumpe mit dem Kessel, C verbindet die Speisewasserpumpe mit dem Ablass. Heißt das, dass man zum Betrieb das angesaugte Wasser der Pumpe vom Ablass wieder zur Quelle zurückführen muss (also sozusagen ein Frischwasserkreislauf, der bei Bedarf in den Kessel eingespeist wird?

      Viele Grüße,
      Ralf

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    • tra67 schrieb:



      " :?: Falls er das ist, müsste er entkalkt werden. Wie würdet Ihr das machen?"


      Zum Entkalken niemals Standardentkalker verwenden. Dieser führen unter Umständen zur sogenannten "Entzinkung" eventuel verwendeter Messingkomponenten. Die Folge sind dann Leckagen durch Lochfraß. Zum Entkalken verwende ich ausschleißlich verdünnte!!! Zitronensäure. Diese greift Zink zwar auch an, ist aber weniger aggressiv als z. Bs. Essigsäure, entfernt den Kalk aber zuverlässig.




      "Das Drei-Wege-Ventil (ABC) der Speisewasserpumpe ist übrigens auch wieder durchlässig. :?: Weiß jemand, wie das bedient wird? A verbindet den Ablass mit dem Kessel, B verbindet die Speisewasserpumpe mit dem Kessel, C verbindet die Speisewasserpumpe mit dem Ablass. Heißt das, dass man zum Betrieb das angesaugte Wasser der Pumpe vom Ablass wieder zur Quelle zurückführen muss (also sozusagen ein Frischwasserkreislauf, der bei Bedarf in den Kessel eingespeist wird?"



      A = Zapffunktion am Kesselablass
      B = Nachspeisefunktion Kesselwasser
      C = Speisewasserumlauf (damit die Pumpe nicht "im eigenen Saft" läuft)

    • Hallo liebe Dampffreunde,

      erst mal Danke für Eure Antworten. Das ist echt super, wie Ihr mir hier weiterhelft :) .

      Das Thema mit den Lötzinntropfen habe ich mir gestern nochmal genauer angeschaut. Unterhalb der Kesselrückwand, da wo das Flammrohr mündet, befinden sich viele ganz kleine runde Lötzinntrofen auf den Innenwänden des Schornsteins. Sieht irgendwie so aus, als ob der Kessel in den letzten 80 Jahren mal trockengeheizt wurde, sich das Lötzinn verflüssigt hat und unter Druck aus der Naht gesprüht hat – allerdings nur in kleinen Mengen.

      Daraufhin bin ich daran gegangen den Kesselboden zu reinigen, so wie Stefan es vorgeschlagen hat.

      Dann habe ich den Kessel entkalkt. Zum Entkalken hab ich heißes Wasser mit Zitronensäure verwendet (so, wie von Ganymed vorgeschlagen). Das hat prima funktioniert. Beim ersten Durchgang färbte sich das Wasser grün (ich nehme mal an vom Grünspan). Außerdem kam ein Papierfetzen zum Vorschein (Ich hoffe der Vorbesitzer hatte da nicht seine Liebesbriefe drin aufbewahrt :love: ). Danach habe ich den Kessel gut gespült, ein weiters Mal entkalkt (diesmal verfärbte sich das Wasser nicht - es tauchten auch keine weiteren Briefe auf :D ), wieder gespült und zum Schluss für eine Stunde mit kochendem, destilliertem Wasser aufgefüllt. Hierbei haben sich keine Leckagen gezeigt - insbesondere nicht an der Kesselrückwand.

      Heute Vormittag konnte ich dann nicht widerstehen die Maschine das erste Mal anzufeuern :/ . Dazu habe ich meinen Spritus-Vergaser Brenner von der D16 verwendet. Der ist zwar unterdimensioniert – aber für einen vorsichtigen Test bis ca. 0,5 bar hat er gereicht.

      Ergebnis des Tests:
      • Das Aggregat läuft sehr gut.
      • Das Sicherheitsventil schließt dicht mit Gewicht und öffnet von selbst ohne Gewicht (habe ein Wilesco Gewicht verwendet)
      • Die Kessel-Rückwand ist dicht
      • Das Wasserstandglas leckt
      • Die Speisewasserpumpe funktioniert
      • Die Speisewasserleitung von der Pumpe zum Hahn hat in der ersten Biegung mehrere winzige Löcher, aus denen das Wasser spritzt
      • Der Dynamo funktioniert, allerdings sind die Lager ausgeschlagen (laute Resonanzgeräusche)
      So langsam komme ich an die Entscheidung, ob ich in die Maschine Geld investiere für einen neuen Brenner und ein Gewicht für das Sicherheitsventil.

      :?: Was meint Ihr, loht es sich hier Geld zu investieren - insbesondere hinsichtlich der Kesselrückwand?
      :?: Wie dichtet man ein Wasserstandglas ab? Ich habe gesehen, dass es von Märklin für die 16051 ein Ersatzdichtungsset gibt. Vielleicht ist da ja was Passendes drin?
      :?: Wie dichte ich Löcher in der Speisewasserleitung ab? Zulöten?
      :?: Was kann ich mit den Lagern des Dynamos machen?

      Ich bin weiterhin um jede Meinung und jeden Hinweis dankbar und berichte natürlich, wie es weitergeht.

      Anbei ein paar Bilder von der Inbetriebnahme (In der Zip Datei 4146-7 First Run.ZIP ein kleines Video, wie sie läuft).



      Viele Grüße,
      Ralf

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von tra67 ()

    • hallo Ralf,
      das sieht ja richtig gut aus.

      Aber man sieht heftiges Tropfen am Wasserstands-Glas - und wenn ich an die Geschichte mit dem Lack denke, solltest Du da was dran machen.
      Es scheint aber die Dichtung zum Glas hin zu sein, nicht direkt an der angelöteten Armatur zum Kessel hin.
      Die beiden Schrauben oben und unten sollten sich (mit Gefühl !) öffnen lassen. Dann solltest Du auch die vorhandenen Dichtungen erkennen können.
      Vermutlich sind die reichlich porös, verquetscht und mit dem Glasröhrchen verklebt... Wenn das Röhrchen sich nicht verschieben lässt, hilft nur vorsichtiges Wegkratzen der Dichtungsreste.
      Als Ersatz-Dichtung für den Wasserstand eignet sich Einmachgummi (mit Locheisen oder Gürtelzange sauber ausstanzen) oder eventuell auch Silikon-Backmatte, die ist noch hitzefester und weicher.

      Das Spritzen der Speisewasserleitung konnte ich im Film nicht erkennen. Löten wird nicht ganz einfach sein, denn eine (zu) dünne Oberflächenschicht gibt unter Wasserdruck auch wieder nach. Temperatur ist an der Stelle eher unkritisch. Aber wenn das Lot ins Rohr hineinläuft ist es hinterher auch dicht - es kommt auch kein Wasser mehr durch. Ein Versuch ist es aber allemal wert.
      Bin mir auch beim Rohrmaterial nicht sicher, vermutlich sind die vernickelt - und damit oberflächenoxidiert und schwer(er) lötbar. Dazu brauchts das passende Flussmittel (aktiviertes Kolophonium oder Lötwasser...) oder/und gute mechanische Vorarbeit (anschleifen). Und natürlich muss alles Wasser vorher aus dem Rohr draußen sein. Dort dann mit einem kräftigen Lötkolben dick verzinnen - und das Flußmittel wieder gründlich entfernen -und innen gut spülen. Sieht vielleicht nicht so schön aus, ist aber vielleicht dann doch dicht.

      Gewicht, das nur funktional sein soll dürfte das kleinste Problem sein. Gebogene Büroklammer und eine entsprechend große Mutter funktioniert genauso wie ein Wilesco-Teil. Aber weil das eine Sicherungseinrichtung ist, muss das natürlich auch über Drucktest (Kaltdruckprobe nach Fertigstellung) angepasst sein.

      Grüße Stefan
    • Hallo Dampffreunde,
      hallo Stefan,

      danke für Deinen Rat.

      Heute habe ich die Speisewasserleitung gelötet. War überhaupt kein Problem. Jetzt ist sie dicht. Die Reparaturstelle ist auch klein und sieht vernünftig aus.

      Dann habe ich mit dem Wasserstandsglas gekämpft. Da hat sich erst mal gar nichts bewegt. 12 Stunden Caramba haben dann geholfen.
      Allerdings stellte sich dabei heraus, dass das Glas am oberen Ende einen Sprung hat - daher dann auch das Leck.
      Gedichtet war es mit einer Art Kitt (sieht aus wie Kalk, ist aber in Alkohol löslich).



      Wo bekomme ich so ein Glasröhrchen her (Durchmesser 6,5mm, Wandstärke 1mm, Innendurchmesser 4,5 mm, Länge 36mm)? Muss das ein spezielles Glas sein (wegen Druck)? Oder brech ich mir einfach 3,6 cm von der nächsten Glaspipette ab?

      Viele Grüße,
      Ralf
    • hallo Ralf,

      Glasröhrchen hat jeder Laborbedarfhändler. Borosilikatglas (z.B. ebay 112479220793) hält höhre Temperaturen aus. Aber solange die Wandstärke passt, sollte normales Glas eigentlich auch stabil genug sein. Mit absägen bzw. abbrechen dürfte es noch nicht ganz getan sein, denn kleine Kerben/Ritzen führen früher oder später dazu, dass der Riss weiter wächst. Meist werden nach dem Sägen/Brechen die Enden nochmals aufgeschmolzen und dadurch abgerundet. Kannst auch mal bei Hielscher oder Bengs nachfragen.

      Der Kitt könnte Kali-Wasserglas sein. Wundert mich, dass das mit Alkohol löslich sein soll. Sollte aber auch möglich sein, dies mit Teflonband dicht zu bekommen, so wie es hier vorgeschlagen wurde.

      Grüße Stefan
    • Hallo Stefan,

      ich mach es wie meine Eltern, beide Chemiker, es mir beigebracht haben und Du im Prinzip auch beschrieben hast.

      Mit ein kleinen alten Dreikantfeile wird an der Stelle das Glasrohr angeritzt und dann abgeknickt und das Rohrende kurz im Bunsenbrenner/Gasfamme kurz angeschmolzen. Nix absägen mit Dremel, nix brechen.
      Glück auf MartinP.
    • Danke für Eure Hilfe!

      ich denke ich werde mir das Glasrohr bei Hielscher besorgen und ggf. mit dem Lötbrenner die Enden anschmelzen.

      Heute habe ich mal beim Märklin Service angerufen und nach Ersatzteilen gefragt.
      Natürlich nicht für die 4146/7, sondern für die 16051. Die sieht mir vom Kessel her sehr ähnlich aus.

      Da bekomme ich das Gewicht für das Sicherheitsventil und einen Brennpastenbrenner her. Ist zwar nicht stilecht, aber vom Preis her überschaubar.

      Viele Grüße,
      Ralf
    • Hallo Dampffreunde,

      die Wartezeit auf die Ersatzteile hab ich jetzt mal genutzt um mir den Kessel mal näher von innen anzuschauen. Ich hab ja nach der Demontage des Wasserstandsglases jetzt genug Möglichkeiten dazu.

      Hier mal zur Orientierung der Kessel von unten (links ist vorne, rechts die Rückwand).


      Und hier sind die Lötzinnspritzer hinter/unter dem Kessel, die meine Aufmerksamkeit erregt haben (rote Kreise).


      So sieht die Lötnaht an der Kesselrückwand von außen aus.


      Und so von innen.


      So sieht die Lötnaht der Rückwand im unteren Bereich des Flammrohrs aus.


      So sieht die Lötnaht der vorderen Wand aus.


      Und so sehen die Lötnähte des Querrohrs aus.


      Was meint Ihr zu dem Kessel? Für mich als Laie sieht er ganz gut aus (allerdings habe ich - zum Glück - auch noch keinen trockengeheizten und entlöteten Kessel gesehen).

      Viele Grüße,
      Ralf
    • Hallo Ralf,

      der Kessel sieht doch top aus. Trockengeheizte Kessel habe ich zwar auch noch nicht gesehen (außer bei Wilesco mit abgefallenem Schauglas), bei Deinem Kessel scheint aber alles in Ordnung zu sein. Wie hast Du die Bilder gemacht? Mit Handy durch die Anschlussstutzen des Waasersgtandsröhrchens? Habe einen Märklinkessel noch nie von innen gesehen. Interessante "Rauchgasführung". Was hat das Röhrchen unterhalb des Kessels innerhalb der Mulde für eine Funktion? (Siederohr?).

      Gruß
      Andreas
    • Hallo Andreas,

      die Bilder hab ich folgendermaßen gemacht: Zur Beleuchtung hab ich von einer Maglite Mini den Reflektor abgedreht und die Halogenlampe oben in die Kesselöffnung gestellt. Dann hab ich mit dem Handy durch die Löcher fotografiert. Problem ist dabei das Scharfstellen wenn man von oben nach unten fotografiert, da die Handykamera nicht wirklich makrogeeignet ist.

      Bei dem Röhrchen denke ich, handelt es sich wirklich um ein Siederohr.

      Viele Grüße,
      Ralf
    • Hallo Dampffreunde,

      in der Zwischenzeit habe ich mal recherchiert, was es mit dem Klarlack auf sich hat. Vielleicht hilft das ja zukünftigen Märklin-Oldtimer Restauratoren…

      Alte Märklin Dampfmaschinen sind mit einer dünnen Schicht aus Nitro-Zelluloselack beschichtet.

      Bei meiner 4146/7 ist das die ganze Maschine, bis auf die beweglichen Teile. Insbesondere auch der gebläute Kessel. Interessanterweise wurde die Lackschicht wohl nach dem Zusammenbau aufgetragen, da sowohl unter dem Dampfdom als auch unter den Kesselbändern kein Lack aufgetragen wurde.

      Nitro-Zelluoselack hat die Eigenschaft sich bei Wasserkontakt weiß zu verfärben (die Zellulose zieht Wasser). Außerdem ist Nitro-Zelluloselack alkohollöslich

      Alte Märklin Maschinen (und auch Eisenbahnen) dürfen deshalb niemals mit Wasser (oder Alkohol) in Kontakt kommen! (Toller Rat für eine Dampfmaschine, zumal mit Spiritus-Brenner…)

      Sollte es doch passieren gibt es zwei Möglichkeiten, den Schaden wieder zu beheben:
      • Einlegen in WD40 (lange – Geduld! Das Öl verdrängt das Wasser in den Fasern)

      • Alkohol – Alkohol löst die oberste Lackschicht an, so dass sie neu abbindet. Die Oberflächen sehen hinterher wie neu lackiert aus (glänzend). Die beste Methode ist wohl mit einer Farb-Sprühpistole. Bei mir hat es bei Flächen auch mit einem in Alkohol getränkten Polierlappen funktioniert. Man darf dabei nur einmal über die noch trockene Fläche wischen, da danach der Lack sofort klebrig ist. Wischt man mehrmals, fängt man an, den Lack abzutragen. Der darunter liegende Farb-Lack ist ebenfalls alkohollöslich, verfärbt sich jedoch nicht bei Wasserkontakt.
      Hier meine Quelle, wo ich das her habe.

      Zum Reinigen und Konservieren hat sich bei mir jetzt WD40 bewährt. Trotzdem muss der Lack noch irgendwie vor Spritzwasser geschützt werden (evtl. mit Auto-Hartwachs?).

      Jetzt noch ein Hinweis zur Verwendung von Ersatzteilen der neuen Märklin 16051:
      • Sicherheitsventil
        Achtung: Das neue Sicherheitsventil 409622 hat ein Feingewinde, das nicht in das Gewinde der alten Maschine passt! Es hat außerdem eine andere Ventilform (siehe Bild). Das Gewicht passt aber.

      • Brennpasten-Brenner 109113
        Passt von der Größe her genau in die Maschine. Da die Ofentüre jedoch bei der neuen Maschine geändert wurde, schließt die Tür nicht ganz (ca. 5mm). Da die 16051 (bzw. die 4158/7) einen Brenner mit 2 Pilzen hat, die 4146/7 jedoch nur einen Brenner mit einem Pilz hat, muss ich noch herausfinden, ob der Brenner zu heiß für die 4146/7 ist. Ich werde berichten.



      Viele Grüße,
      Ralf
    • hallo Ralf,

      bezüglich der Verwendung von WD40 gibt es andere Quellen (Eisenbahnforen) die beschreiben, dass letztlich das Kriech-Öl unter den ursprünglichen Farb-Lack wandern, was dann zu Spätschäden führen kann - aber auch da gibt es unterschiedliche Erkenntnisstände, lass Dich da nicht kirre machen.

      Jetzt noch ein Hinweis zur Verwendung von Ersatzteilen der neuen Märklin 16051:
      Da gibt es bei Wilesco dasselbe Problem bzw. diesselbe Ursache:
      Früher wurden gerne metrische Gewinde genommen, z.B. M6 für die Dampfpfeife oder den Verschluss mit Sicherheitsventil. Wenn dieses undicht ist und durch eine normale metrische Schraube ersetzt wird - sowas fährt in fast jedem Haushalt/Baumarkt rum - wird der Kessel im Zweifelsfall zu einer Bombe, falls die Heizung weiter bläst und der Abgang zum Zylinder zu bleibt.
      Nach dem Produkthaftungsgesetz wäre in so einem Fall der Hersteller dran, weil er das Risiko kennt (oder kennen muss) und nichts dagegen macht. Also sind diese Sicherheitsventile mit Feingewinde oder einem unüblichen Durchmessser, so dass nur Sicherheitseinrichtungen reinpassen.

      Grüße Stefan
    • Neu

      Hallo Dampffreunde,

      so langsam kommt jetzt alles zusammen.

      • Das Wasserstandsglas ist wieder eingesetzt und abgedichtet. Ich habe dazu Silikonschlauch (7 x 3) verwendet. Der hat gegenüber der von Stefan vorgeschlagenen Backmatte den Vorteil, dass er einfach in der Dicke variierbar ist. Der 7 x 3 Schalch füllt der Raum zwischen der inneren Führung der Glasrohrs und der Halterung komplett aus. Wenn dann das Rohr mit der oberen Schraube eingespannt wird, werden die Schläuche komprimiert und gegen die Halterung gedrückt. Ergebnis: dicht!

      • Der Brennpastenbrenner der 16051 ist zu stark für die etwas kleinere 4146/7. Deshalb habe ich ihn mit 2 Alublechen verkleinert. Das funktioniert prima!
      • Ansonsten habe ich noch einen kalten Drucktest durchgeführt (mit angeflanschtem Wilesco-Manometer und einer Fahrradpumpe – man nimmt halt, was man hat 8) ). Ergebnis: Alles ist dicht, das Sicherheitsventil löst bei genau 2 bar aus. Der Kessel hält den Druck.


      Jetzt wird es Zeit für die Inbetriebnahme. Ich werde berichten.

      Viele Grüße,
      Ralf